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Expertentag Pflege 2018: Pflege muss neu gedacht werden

Dortmund, 15. Januar 2018
Dr. Stephan Knoblich, Erika Stempfle, Dr. Martin Rieger, Manuela Anacker, Dr. Ulrich Heine, Christiane Poertgen (Moderation), Andreas Burkert, Dr. Peter Pick (v.l.). Es fehlen die Referenten Dr. Martin Schölkopf und Oliver Blatt.

Werden die Erwartungen an das neue Begutachtungsverfahren erfüllt? Gibt es Hinweise für Anpassungen? Wie wird sich die Pflege verändern? Diese Fragen diskutierten Fachleute aus Medizinischen Diensten, Pflege, Verbänden und Politik auf dem Expertentag Pflege, den MDS und MDK Westfalen-Lippe gemeinsam in Dortmund veranstaltet haben. Rund 120 Experten trafen sich zum Erfahrungsaustausch.

Insgesamt zogen die Fachleute aus den Bereichen Pflege, Gesundheit und Politik ein positives Fazit zu den Pflegereformen. Dr. Ulrich Heine, Geschäftsführer des MDK Westfalen-Lippe (MDK WL), ging auf den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff ein, der 2017 in Kraft getreten ist und an dessen Entwicklung der MDK entscheidend mitgewirkt hatte. „Das neue Begutachtungsinstrument hat den Praxistest erfolgreich bestanden“, befand MDS-Geschäftsführer Dr. Peter Pick. „Denn damit wird ein neues Verständnis von Pflegebedürftigkeit etabliert.“

Andreas Burkert, Ständige Vertretung der Abteilung „Pflege, Alter, demografische Entwicklung“ im Landesgesundheitsministerium NRW, lobte die MDK für die engagierte Bewältigung der gestiegenen Begutachtungsaufträge. Er stellte aber auch heraus, dass das Thema Pflege auch künftig eine Herausforderung für alle Beteiligten bleibe: „Mit dem Abdruck im Gesetzblatt ist es nicht getan. Die Qualität der Pflege zu erhöhen, die Digitalisierung voranzubringen und Nachwuchs für die Pflege zu gewinnen, sind die großen Themen für die kommenden Jahre“, erklärte Burkert.

Dr. Martin Schölkopf, Leiter der Unterabteilung Pflegeversicherung im Bundesgesundheitsministerium benannte den Fachkräftemangel in der Pflege ebenfalls als Thema, dennoch warnte er davor, die Situation und den Beruf schlechter zu reden als er sei. „Wir haben jedes Jahr mehr Auszubildende und Fachkräfte in der Pflege. Der Beruf ist attraktiv“, sagte Schölkopf. Alarmierend sei die hohe Zahl an Fehlzeiten bei Pflegekräften. „Das kann so nicht bleiben. Die Verbesserung der Arbeitssituation bleibt eine der wichtigen Aufgaben für die Zukunft.“

„Der Arbeitsalltag in der Pflege ist von Arbeitsverdichtung und Personalmangel geprägt“, stellte Erika Stempfle, Referentin der Diakonie Deutschland, fest. Sie forderte, den Personalschlüssel an den tatsächlichen Bedarf anzupassen.

Manuela Anacker vom Sozialverband VdK NRW und Beiratsvorsitzende des Verwaltungsrates des MDK Westfalen-Lippe zog ebenfalls eine positive Bilanz der Pflegereformen: „Die große Beschwerdewelle ist ausgeblieben.“ Sie kritisierte die geringe Wertschätzung für die Pflege: „Es ist leider gesellschaftlich anerkannter, eine Festplatte am Computer zu reparieren, als einen Menschen zu pflegen. Daran müssen wir etwas ändern.“

Der Leiter der Abteilung Gesundheit beim Verband der Ersatzkassen (vdek), Oliver Blatt, ging auf die höheren Ausgaben für die Leistungen aus der Pflegeversicherung nach den Reformen ein. „Wir müssen darüber diskutieren, die Beitragssätze anzupassen“, erklärte er. Nach Berechnungen des vdek sei eine Erhöhung schon 2019 nötig, wenn die Erwartungen in der Pflege gehalten werden sollen.

Dr. Stephan Knoblich, Leiter der sozialmedizinischen Expertengruppe „Pflege“ der MDK-Gemeinschaft, ging auf das positive Echo der Versicherten und der pflegenden Angehörigen bei der neuen Begutachtung ein. Abschließend zog Dr. Martin Rieger, Ärztlicher Direktor des MDK Westfalen-Lippe, eine positive Bilanz des Expertentages. Wichtig war ihm die Erkenntnis, dass eine gesellschaftliche Diskussion über die Pflege notwendig sei, um die Anerkennung für die Arbeit der Pflegekräfte zu erhöhen. Mit Blick auf die Einführung und Etablierung der Pflegereform sagte er: „Die Phase 1 haben wir erfolgreich geschafft. Lassen Sie uns nun zusammen die Phase 2 angehen.“

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