Tipps für Pflegebedürftige und Angehörige

Die aktuelle Situation schafft für pflegebedürftige Menschen und pflegende An- und Zugehörige zusätzliche Unsicherheiten und Belastungen: Unterstützungsangebote wie Tages- und Nachtpflegeeinrichtungen sind zum Teil immer noch geschlossen, Betreuungskräfte fallen aus, und im Alltag gelten weitreichende Kontakt-beschränkungen, deren Einhaltung gerade für alte pflegebedürftige Menschen trotz inzwischen eingetretener Lockerungen weiterhin besonders wichtig sind. Unter Umständen muss die Pflege zu Hause ganz neu organisiert werden. Es ist völlig normal, dass das psychisch und seelisch extrem belastend ist. Wenn Sie sich überfordert und niedergeschlagen fühlen, zögern Sie nicht, sich Hilfe zu suchen. Es gibt eine Vielzahl von Unterstützungs- und Entlastungsmöglichkeiten, die helfen können.

Pflegekassen erstatten Kosten für alternative Versorgungslösungen

Die Pflegekassen können nach ihrem Ermessen bei pflegerischen Versorgungsengpässen im häuslichen Bereich, z. B. bei körperbezogenen Pflegemaßnahmen und der Betreuung, Kosten für alternative Versorgungslösungen erstatten. Die Regelung ist bis zum
30. September 2020 befristet. Rechtsgrundlage ist der § 150 Abs. 5 SGB XI.

Die Erstattung erfolgt auf Antrag und kann bis zum Umfang der Kosten, die regulär für einen ambulanten Pflegedienst (Sachleistungen nach § 36 SGB XI) übernommen werden, erfolgen. In erster Linie sollen andere durch Pflegefachkräfte geleitete Einrichtungen die Versorgung übernehmen. Ist dies nicht möglich, sind auch andere Versorgungs-alternativen denkbar.

Wenn beispielsweise ein Pflegedienst aufgrund Corona-bedingter personeller Engpässe, die Versorgung eines Pflegebedürftigen nicht weiter gewährleisten kann, kann alternativ hierfür eine Tagespflegeeinrichtung beauftragt werden. Diese haben derzeit vielfach freie Personalkapazitäten, da der Betrieb der Einrichtungen oftmals noch immer eingestellt ist. Ist dies nicht möglich, kann die Versorgung beispielsweise durch eine Betreuungskraft erfolgen. Ist auch das nicht möglich, kommt die Versorgung auch durch eine Person ohne Qualifikation aus dem Gesundheits- und Sozialbereich in Betracht. Dies kann beispielsweise ein Nachbar sein. Die Vergütungshöhe liegt im Ermessen der Pflegekasse und wird sich einerseits an der Qualifikation der versorgenden Personen und andererseits am Umfang der Versorgung orientieren.

Unter www.pflegebegleiter.de können pflegende An- und Zugehörige auch Kontakt zu ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern in der Region aufnehmen.

Möglichkeiten zur Inanspruchnahme des Entlastungsbetrags sind ausgeweitet

Pflegebedürftige in häuslicher Pflege haben einen monatlichen Anspruch auf einen Entlastungsbetrag in Höhe von 125 €. Regulär kann der Entlastungsbetrag  nur für definierte Leistungen, z. B. von ambulanten Pflegediensten oder von auf Landesebene anerkannten Unterstützungsangeboten eingesetzt werden. Pflegebedürftige des Pflegegrades 1 können diesen Betrag vorübergehend bis 30. September 2020 nun auch für andere Hilfen in Anspruch nehmen, wenn dies aufgrund Corona-bedingter Versorgungsengpässe erforderlich ist. Weitere Hilfen können beispielsweise andere professionelle Angebote oder nachbarschaftliche Hilfen sein. Einzelheiten zur Umsetzung werden vom GKV-Spitzenverband in Empfehlungen festgelegt. Rechtsgrundlage ist § 150 Abs. 5b SGB XI.

Für alle Pflegebedürftigen gilt: Nicht verbrauchte Entlastungsbeträge aus dem Jahr 2019 können ausnahmsweise bis zum 30. September 2020 in Anspruch genommen werden.  Rechtsgrundlage ist § 150 Abs. 5c SGB XI.

Pflegeunterstützungsgeld kann auch Corona-bedingt in Anspruch genommen werden

Das Pflegeunterstützungsgeld nach dem Pflegezeitgesetz kann für bis zu zwanzig Tage von Beschäftigten auch in Anspruch genommen werden, wenn sie die Pflege eines nahen Angehörigen oder die Organisation der Pflege Corona-bedingt übernehmen, kein anderweitiger Anspruch auf Entgeltfortzahlung besteht und die häusliche Pflege anderweitig nicht sichergestellt werden kann.

Diese Regelungen sind bis zum 30. September 2020 befristet. Gesetzliche Grundlage ist
§ 150 Abs. 5d SGB XI.

Kurzzeitpflege und vollstationäre Pflege können auch in Einrichtungen der medizinischen Vorsorge und Rehabilitation in Anspruch genommen werden

Regulär besteht ein Anspruch auf Kurzzeitpflege für Pflegebedürftige in stationären Einrichtungen zur medizinischen Vorsorge oder Rehabilitation, wenn während einer Rehabilitationsmaßnahme für eine Pflegeperson eine gleichzeitige Unterbringung und Pflege der oder des Pflegebedürftigen in der Einrichtung erforderlich ist. Durch die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie erfolgte Gesetzgebung kann Kurzzeitpflege in Einrichtungen der medizinischen Vorsorge oder Rehabilitation auch wahrgenommen werden, ohne dass gleichzeitig eine Maßnahme der medizinischen Vorsorge oder Rehabilitation für eine Pflegeperson erbracht wird. Die Regelung ist bis zum
30. September 2020 befristet.

Der Leistungsbetrag, der von den Pflegekassen in diesen Einrichtungen übernommen wird, wird von 1.612 Euro auf 2.418 Euro erhöht. Damit soll pauschal sichergestellt werden, dass Pflegebedürftigen aufgrund ggf. höherer Kostensätze in Rehabilitationseinrichtungen keine zusätzlichen Kosten entstehen.

Wenn die pflegerische Versorgung von Pflegebedürftigen in einer vollstationären Pflegeeinrichtung aufgrund einer Corona-bedingten Quarantänemaßnahme dort vorübergehend nicht gewährleistet werden kann, kann die pflegerische Versorgung für die Zeit von 14 Tagen (in begründeten Fällen in Abstimmung mit der Pflegekasse auch länger) in einer Einrichtung der medizinischen Vorsorge oder Rehabilitation erfolgen. Der Platz in der vollstationären Pflegeeinrichtung wird während dieser Zeit freigehalten.

Gesetzliche Grundlage dieser Regelungen ist § 149 Abs. 1 bis 3 SGB XI.

Heilmittel wie z. B. Physio- oder Ergotherapie sind auch über Videobehandlung oder telefonische Beratung möglich

Auf der Grundlage von Empfehlungen des GKV-Spitzenverbandes und der Kassenartenverbände auf Bundesebene können während der Corona-Pandemie zunächst befristet bis zum 30. Juni 2020 Heilmittel grundsätzlich auch in Form von Videobehandlungen oder telefonischer Beratung angeboten werden. Heilmittel sind z. B. Ergotherapie oder Physiotherapie.

Sofern die Behandlungen aus therapeutischer Sicht auch im Rahmen einer telemedizinischen Leistung (Videobehandlung oder telefonische Beratungen) stattfinden können, ist dies mit vorheriger Einwilligung der Versicherten für die nachfolgend aufgeführten Heilmittel möglich. Die Videobehandlung muss in Räumen stattfinden, die Privatsphäre bieten. Die beim Leistungserbringer und bei den Versicherten bereits vorhandene Technik muss eine angemessene gegenseitige Kommunikation gewährleisten. Die Videobehandlungen sind grundsätzlich möglich im Bereich

  • der Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie,
  • der Schlucktherapie ausschließlich bei SCZ,
  • der Ergotherapie,
  • der Ernährungstherapie,
  • der Physiotherapie für die
         o    X0301 Bewegungstherapie,
         o    X0501 Krankengymnastik (auch KG-Atemtherapie) und 
         o    X0702 Krankengymnastik-Mukoviszidose

Im Bereich der Ernährungstherapie ist die Beratung auch als telefonische Beratung möglich.

Wichtig ist, dass auf der Rückseite der Verordnung die Therapie als Videobehandlung „V“ oder „Video“ bzw. „T“ oder „Telefon“ zu kennzeichnen ist. Die Bestätigung der erbrachten Leistungen durch die Versicherten kann auch auf elektronischem Wege zum Beispiel per Fax oder E-Mail erfolgen.

Empfehlungen der Kassenverbände auf Bundesebene und des GKV-Spitzenverbandes für den Heilmittelbereich aufgrund des Ausbruchs von SARS-CoV-2 (Corona); Stand: 25. Mai 2020

Keine Nachteile wegen fehlender Beratungsbesuche

Normalerweise müssen Pflegebedürftige, die Pflegegeld nach § 37 SGB XI beanspruchen, in regelmäßigen Abständen sogenannte Beratungsbesuche durch Pflegedienste abrufen. Durch die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie erfolgte Gesetzgebung wird sichergestellt, dass Pflegebedürftigen, die diese Beratungsbesuche zur Qualitätssicherung in der häuslichen Pflege nicht abrufen, keine Nachteile entstehen. Die üblichen gesetzlich vorgesehenen Konsequenzen für Pflegebedürftige wie Leistungskürzungen bei fehlendem Nachweis werden ausgesetzt. Diese Regelung ist bis zum 30. September 2020 befristet. Gesetzliche Grundlage für diese Regelung ist
§ 148 SGB XI.

Weiterführende Informationen zu den Regelungen finden Sie auf der Internetseite des GKV-Spitzenverbandes.

Hinweise zur Neuorganisation der Pflege finden Sie auf der Internetseite der Verbraucherzentrale.

Professionelle Beratung hilft bei der Organisation der Pflege zu Hause

Gerade in der aktuellen Situation raten wir, sich professionell bei der Organisation der Pflege zu Hause beraten zu lassen. Pflegebedürftige Menschen haben einen Anspruch auf individuelle Pflegeberatung durch die Pflegekassen (§ 7a SGB XI). Zum Schutz vor Infektionen finden diese derzeit telefonisch statt.

Die Pflegeberaterinnen und Pflegeberater helfen bei der Suche, der Auswahl und Inanspruchnahme von Hilfe- und Pflegeleistungen, wie etwa Kurzzeit- und Tagespflege, und finden auch unter den aktuellen schwierigen Bedingungen gemeinsam mit dem Ratsuchenden bzw. der Ratsuchenden eine gute Lösung für die Organisation der Pflege zu Hause. Diese Pflegeberatung erreichen Sie über Ihre Pflegekasse.

Die Beratungsdatenbank des Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) stellt außerdem die Kontaktdaten aller bundesweit verfügbaren und nicht-kommerziellen Beratungsangebote zur Verfügung, z. B. von Pflegestützpunkten und kommunalen Pflegeberatungsstellen: www.zqp.de.

Speziell für pflegende An- und Zugehörige von Menschen mit Demenz bietet die Alzheimergesellschaft Unterstützung durch telefonische Beratung an: www.alzheimer-gesellschaft.de.

Das Einhalten von Hygiene- und Verhaltensregeln ist lebenswichtig

Die Hauptübertragungswege des Coronavirus in der Bevölkerung sind nach den derzeitigen Erkenntnissen vor allem die Tröpfcheninfektion sowie die Übertragung durch Aerosole, also über kleinste Teilchen, die schon beim Sprechen ausgeatmet werden und sich in der Umgebungsluft verbreiten. Eine Übertragung erfolgt somit vor allem beim Husten, Niesen und auch beim Sprechen und wird beim Gegenüber über die Schleimhäute der Nase, des Mundes und ggf. des Auges aufgenommen. Darüber hinaus ist eine Kontaktübertragung (Schmierinfektion) des Coronavirus durch kontaminierte Oberflächen und Gegenstände nicht auszuschließen, besonders in der unmittelbaren Umgebung einer Person, die mit dem Coronavirus infizierten ist.

Für den Schutz pflegebedürftiger Menschen und die Gesundheit pflegender An- und Zugehöriger ist daher das Einhalten von Hygiene- und Verhaltensregeln lebenswichtig!

Schon grundlegende in den Alltag integrierte hygienische Maßnahmen helfen dabei, einer Infektion mit dem Coronavirus vorzubeugen. Die wichtigsten hygienischen Maßnahmen zur Vorbeugung einer Infektion mit dem Coronavirus sind:

  • das Abstandhalten von mindestens 1,5 Metern zu anderen Personen, die nicht im eigenen Haushalt leben,
  • das mindestens 20 bis 30 Sekunden andauernde regelmäßige und gründliche Händewaschen mit Seife, z. B. wenn man von draußen nach Hause kommt,
  • das Fernhalten der ungewaschenen Hände aus dem Gesicht,
  • das regelmäßige Lüften der Wohnung,
  • das Husten- und Niesen in ein Taschentuch oder die Armbeuge,
  • der Schutz von Wunden durch Pflaster oder Verbände,
  • ein sauberes Zuhause,
  • die hygienische Behandlung von Lebensmitteln,
  • das heiße Waschen von Geschirr und Wäsche bei mindestens 60 Grad.

Diese Maßnahmen wurden durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) übersichtlich aufgearbeitet und stehen als PDF-Download unter folgender Internetadresse zur Verfügung: https://service.bzga.de/pdf.php?id=1868e4076f315de48c28ddf7ee20c399.

Es ist im Pflegealltag manchmal nicht möglich, auf die Abstandsregelung zu achten, vor allem dann nicht, wenn körperbezogene Pflegemaßnahmen notwendig sind oder es zwischenmenschlicher Nähe bedarf. Daher empfehlen wir pflegenden An- und Zugehörigen, wenn Sie nicht in einem gemeinsamen Haushalt mit dem pflegebedürftigen Menschen leben, bei engem Kontakt eine Mund-Nasen-Bedeckung (sog. Community- bzw. Alltagsmasken) zu tragen. Achten Sie als Pflegebedürftiger und pflegender An- und Zugehöriger darauf, dass auch die Mitarbeitenden von Pflegediensten oder andere Betreuungspersonen die Hygieneregeln einhalten und insbesondere einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

Neben der Beachtung grundlegender hygienischer Maßnahmen, ist der achtsame Umgang mit Kontakten im Alltag zum Schutz des pflegebedürftigen Menschen essentiell. Achten Sie als pflegender An- bzw. Zugehöriger darauf, dass die pflegebedürftige Person etwa:

  • enge Begrüßungsrituale vermeidet, z. B. Händeschütteln und Umarmen,
  • auch Möglichkeiten ohne direkten Kontakt nutzt, z. B. Telefon,
  • oder nicht notwendige Reisen absagt bzw. verschiebt.

Wichtig ist darüber hinaus, sich als pflegender An- bzw. Zugehöriger aktiv über das Krankheitsbild: „COVID-19“ zu informieren, um frühzeitig selbst Symptome erkennen zu können. Zudem sollten erkrankte Personen rasch telefonischen Kontakt zur Hausarztpraxis oder zu anderen beratenden Stellen aufnehmen, um sich hinsichtlich individueller Maßnahmen und einer Abklärung im Hinblick auf eine COVID-19-Infektion beraten zu lassen. Dies sollte ebenfalls geschehen, wenn in der näheren Umgebung (z. B. im beruflichen Umfeld) Fälle von COVID-19 bekannt werden.

Tipps für den Alltag zu Hause

Aufgrund der Regeln und Empfehlungen für einen wirksamen Infektionsschutz wird es bei Pflegebedürftigkeit unter Umständen schwieriger, die tägliche Versorgung sicherzustellen. Folgende Alternativen können Abhilfe schaffen:

  • Bitten Sie Ihren Hausarzt, Rezepte direkt an eine Apotheke zu schicken und lassen Sie sich von dieser Apotheke die Medikamente liefern.
  • Klären Sie telefonisch mit Ihrem Hausarzt/Ihrer Hausärztin, wie Sie sich bei erforderlichen Arztkontakten verhalten sollen und ob es Alternativen zum Praxisbesuch gibt.
  • Viele Einzelhändler und Supermärkte etc. bieten aktuell spezielle Lieferdienste an. Nutzen Sie diese. Bitten Sie Freunde oder Nachbarn, für Sie einzukaufen oder kleine Botengänge zu erledigen und machen Sie Gebrauch von nachbarschaftlichen Hilfsangeboten wie z. B. www.nebenan.de
  • Scheuen Sie sich generell nicht, Ihr soziales Netz (Familie, Freunde, Bekannte, Nachbarn) um Entlastung und Unterstützung zu bitten.

Unter den aktuellen Bedingungen ist gerade die Betreuung und Begleitung von Menschen mit Demenz und das gemeinsame Zusammenleben keine leichte Aufgabe, weil z. B. professionelle Betreuungsangebote nicht in Anspruch genommen werden können. Hinweise zum Umgang mit Menschen mit Demenz, die auch in der jetzigen Situation hilfreich sein können, finden pflegende An- und Zugehörige in der Grundsatzstellungnahme Demenz des MDS „Menschen mit Demenz – Pflege, Betreuung und Therapie“. Ein zentrales Bedürfnis von Menschen mit Demenz – wie für alle anderen Menschen auch – ist es z. B., sich beschäftigt zu fühlen. Es gibt ganz einfache Möglichkeiten, wie man kleine „Beschäftigungseinheiten“ in den Alltag integrieren kann. Man kann z. B. seinem pflegebedürftigen Angehörigen Geschichten oder Märchen vorlesen. In der Praxis hat sich gezeigt, dass so etwas beruhigend und entspannend auf Menschen mit Demenz wirkt und sogar psychische Verhaltenssymptome auf diese Weise abgemildert werden können.

Auch kleine körperliche und geistige Aktivitäten, wie z. B. das gemeinsame Durchblättern von Fotoalben und dabei in Erinnerungen schwelgen, das Lösen von Kreuzworträtseln, das Bepflanzen eines Garten- bzw. Balkonbeets oder die Lieblingsmusik auflegen, helfen bei der Alltagsbewältigung. In dem Podcast „Zusammenhalten in dieser Zeit“ werden speziell für ältere Menschen Informationen, ermutigende Beispiele und Tipps vermittelt, die gut durch diese Zeit führen.

Wichtig für die psychische Gesundheit im Alltag ist es im Übrigen, auch einmal Pause von Nachrichten und negativen Gedanken zu machen. Gleichwohl sollte man sich regelmäßig und bewusst, z. B. in einer vorher festgelegten Zeitspanne informieren. Kritisch sein lautet dabei die Devise: Zurzeit kursieren viele Falschinformationen. Vertrauenswürdige Quellen sind die Webseite des Robert Koch-Instituts (www.rki.de), des Bundesministeriums für Gesundheit (www.bmg.de), der Landesministerien oder der Gesundheitsämter.

Tipps und Hinweise gegen Einsamkeit und Isolation

Neben konsequenter Einhaltung von Hygieneregeln sind Einschränkungen persönlicher sozialer Kontakte derzeit der einzig wirksame Schutz von Gesundheit und Leben älterer und pflegebedürftiger Menschen – obwohl gerade jetzt das Zusammensein und der Austausch mit Familie, Freunden und Bekannten hilfreich sein würde, um mit der belastenden und bedrohlichen Lebenssituation umzugehen.

Um Einsamkeit entgegenzuwirken, hat die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) auf ihrer Internetseite ein Themenheft „Gemeinsam statt einsam - Initiativen und Projekte gegen soziale Isolation im Alter“ bereitgestellt. Hier finden sich viele Anregungen, die weiterhelfen können, mit der aktuelle Situation so gut es geht, umzugehen.

Haben Sie keine Scheu davor, digitale Technologien wie Videochats oder Smartphones, Tablets oder Laptops zu nutzen. Hierzu bietet die Internetseite „Digital-Kompass - Treffpunkt für alle Fragen rund ums Internet und Co.“ Unterstützung an. Beispielsweise werden Tutorials für Smartphone und Tablet-Einsteiger sowie eine Anleitung und schrittweise Einführung in die Videotelefonie angeboten.

Da Kirchen-bzw. Messebesuche teilweise noch nicht oder nur unter Einhaltung strenger Hygieneregeln möglich sind und größere Versammlungen von Menschen weitestgehend vermieden werden sollten, besteht die Möglichkeit online durch Videoansicht an einem „Live Gottesdienst“, ggf. in der örtlichen Gemeinde, teilzunehmen. Auf der konfessionsübergreifenden Plattform Bibel TV ist eine Auswahl an Video-Gottesdiensten aufgeführt.

Pflegenden An- und Zugehörigen empfehlen wir die App „in.kontakt“ – eine gute und einfach zu nutzende Möglichkeit, sich wohnortnah mit anderen zu vernetzen und auszutauschen. Die App kann hier heruntergeladen werden: https://in-kontakt.online/#/.

Lassen Sie bedrückende Gefühle bei Einsamkeit zu, aber nicht tagesbestimmend werden. Schaffen Sie sich stattdessen eine Tagesstruktur (z. B. Mahlzeiten zu bestimmten Zeiten) mit Ritualpflege (jeden Montagabend lese ich ein Gedicht, lasse ich mir eine Geschichte vorlesen …) und setzen Sie sich realistische Ziele (heute ist der Tag, an dem ich meinem Enkel, meiner Freundin einen Brief schreibe). Dadurch können Sie sich selbst Halt geben und so gut es geht eine positive Grundhaltung bewahren.

Unterstützung bei psychischen Belastungen

Viele ältere und pflegebedürftige Menschen leiden unter psychischen Beeinträchtigungen, wie z. B. Depressionen, Angststörungen oder Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis. Menschen mit chronischen psychischen Gesundheitsproblemen sind besonders verletzlich für Umwelteinflüsse und Situationen, die nicht kontrollierbar sind. Vor allem Angst vor dem Coronavirus und den damit verbundenen Folgen und Einschränkungen und die empfundene Hilflosigkeit können dazu führen, dass sich die Krankheitssymptome verstärken. Bei pflegebedürftigen Menschen mit Demenz können psychische Verhaltenssymptome wie Verwirrtheit und Aggressivität auftreten oder sich verstärken, was wiederum die Belastungen für pflegende An- und Zugehörige verschärft. Im schlimmsten Fall kann das zu einer krisenhaften Zuspitzung der Gesamtsituation führen.

Merken Sie z. B., dass Ihre Sorgen zum Thema Corona so stark werden, dass Sie nahezu pausenlos darüber nachgrübeln und Ihre Gedanken nur noch um dieses Thema kreisen, sollten Sie Hilfe in Anspruch nehmen. Das gilt auch für den Fall, dass Ihre Ängste immer stärker werden, so dass Sie das Gefühl haben, der Situation hilflos ausgeliefert zu sein und aus eigener Kraft keinen Ausweg mehr zu finden. Überforderungssituationen bei pflegenden An- und Zugehörigen können sich z. B. daran zeigen, dass man immer ungeduldiger im Umgang mit dem pflegebedürftigen Menschen wird und bereits kleine „Missgeschicke“ zu Konflikten führen.

Oftmals hilft es dann, einfach nur mit jemanden über die aktuellen Probleme und Nöte sprechen zu können. Schnelle Hilfe in solchen Fällen bietet unter anderem die Telefonseelsorge an, und zwar rund um die Uhr und kostenlos unter der Telefonnummer: 0800-1110111 oder per Chat via www.telefonseelsorge.de.

Für die kommenden Wochen bietet außerdem der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen täglich von 8 bis 20 Uhr eine kostenlose und anonyme Hotline zur psychologischen Beratung in der Krise an: 0800 777 22 44.

Auf der Plattform www.pflegen-und-leben.de finden gesetzlich versicherte pflegende An- und Zugehörige psychologische Fachberatung, insbesondere bei seelischen Belastungen. Auf der Internetseite gibt es außerdem viele hilfreiche Tipps, wie pflegende An- und Zugehörige auch im Pflegealltag für sich und die eigene Gesundheit sorgen können.

Es wurden außerdem die Möglichkeiten zur ärztlichen und psychotherapeutischen Konsultation per Telefon ausgeweitet. Psychotherapeuten bzw. -therapeutinnen und Ärztinnen/Ärzte können ihre Patientinnen und Patienten jetzt häufiger und länger auch telefonisch betreuen. In den psychiatrischen Institutsambulanzen können Videosprechstunden genutzt werden. Hierzu sollte man sich an den behandelnden Arzt (Psychiater) wenden.

Online gibt es auf der Homepage von Psychiatrienetz weitere hilfreiche Informationen und Unterstützung. Diese wird von der Deutschen Gesellschaft für soziale Psychiatrie, dem Dachverband Gemeindepsychiatrie, dem Bundesverband der Angehörigen von psychisch Kranken und dem Psychiatrie-Verlag betrieben.