Informationen für pflegebedürftige Menschen und pflegende An- und Zugehörige

Die Corona-Pandemie ist für pflegebedürftige Menschen und pflegende An- und Zugehörige mit besonderen Unsicherheiten und Belastungen verbunden: Teilweise werden professionelle Pflege- und Betreuungsleistungen aus Angst vor einer Corona-Infektion nicht in Anspruch genommen und nicht immer sind die gewohnten Angebote verfügbar. Unter Umständen musste die Pflege zu Hause ganz neu organisiert werden. Und nach wie vor gilt, dass eine der wirkungsvollsten Maßnahmen, um eine Ansteckung mit dem Corona-Virus zu vermeiden – die Einschränkung von sozialen Kontakten – gleichzeitig eine der dramatischsten und bedrückendsten Folgen der Pandemie ist. Es ist völlig normal, dass das psychisch und seelisch extrem belastend ist. Wenn Sie sich überfordert und niedergeschlagen fühlen, zögern Sie nicht, Hilfe zu suchen. Es gibt eine Vielzahl von Unterstützungs- und Entlastungsmöglichkeiten, die helfen können. Für eine Reihe von Pflegeleistungen sind aufgrund der Corona-Pandemie besondere Regelungen in Kraft gesetzt worden, damit die Organisation der Pflege zu Hause gelingt - diese finden Sie hier zusammengefasst.

Pflegekassen erstatten Kosten für alternative Versorgungslösungen

Die Pflegekassen können nach ihrem Ermessen bei pflegerischen Versorgungsengpässen im häuslichen Bereich, z. B. bei körperbezogenen Pflegemaßnahmen und der Betreuung, Kosten für alternative Versorgungslösungen erstatten. Die Regelung ist bis zum 31. Dezember 2020 befristet. Rechtsgrundlage ist der § 150 Abs. 5 SGB XI.

Die Erstattung erfolgt auf Antrag und kann bis zum Umfang der Kosten, die regulär für einen ambulanten Pflegedienst (Sachleistungen nach § 36 SGB XI) übernommen werden, erfolgen. In erster Linie sollen andere durch Pflegefachkräfte geleitete Einrichtungen die Versorgung übernehmen. Ist dies nicht möglich, sind auch andere Versorgungs-alternativen denkbar.

Wenn beispielsweise ein Pflegedienst aufgrund Corona-bedingter personeller Engpässe, die Versorgung eines Pflegebedürftigen nicht weiter gewährleisten kann, kann alternativ hierfür eine Tagespflegeeinrichtung beauftragt werden. Diese haben derzeit vielfach freie Personalkapazitäten, da der Betrieb der Einrichtungen oftmals noch immer eingestellt ist. Ist dies nicht möglich, kann die Versorgung beispielsweise durch eine Betreuungskraft erfolgen. Ist auch das nicht möglich, kommt die Versorgung auch durch eine Person ohne Qualifikation aus dem Gesundheits- und Sozialbereich in Betracht. Dies kann beispielsweise ein Nachbar sein. Die Vergütungshöhe liegt im Ermessen der Pflegekasse und wird sich einerseits an der Qualifikation der versorgenden Personen und andererseits am Umfang der Versorgung orientieren.

Unter www.pflegebegleiter.de können pflegende An- und Zugehörige auch Kontakt zu ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern in der Region aufnehmen.

Möglichkeiten zur Inanspruchnahme des Entlastungsbetrags sind ausgeweitet

Pflegebedürftige in häuslicher Pflege haben einen monatlichen Anspruch auf einen Entlastungsbetrag in Höhe von 125 €. Regulär kann der Entlastungsbetrag nur für definierte Leistungen, z. B. von ambulanten Pflegediensten oder von auf Landesebene anerkannten Unterstützungsangeboten eingesetzt werden. Pflegebedürftige des Pflegegrades 1 können diesen Betrag vorübergehend bis 31. Dezember 2020 nun auch für andere Hilfen in Anspruch nehmen, wenn dies aufgrund Corona-bedingter Versorgungsengpässe erforderlich ist. Weitere Hilfen können beispielsweise andere professionelle Angebote oder nachbarschaftliche Hilfen sein. Einzelheiten zur Umsetzung werden vom GKV-Spitzenverband in Empfehlungen festgelegt. Rechtsgrundlage ist der § 150 Abs. 5b SGB XI.

Für alle Pflegebedürftigen gilt: Nicht verbrauchte Entlastungsbeträge aus dem Jahr 2019 können ausnahmsweise bis zum 31. Dezember 2020 in Anspruch genommen werden (Rechtsgrundlage: § 150 Abs. 5c SGB XI).

Pflegeunterstützungsgeld kann auch Corona-bedingt in Anspruch genommen werden

Das Pflegeunterstützungsgeld nach dem Pflegezeitgesetz kann für bis zu zwanzig Tage von Beschäftigten auch in Anspruch genommen werden, wenn sie die Pflege eines nahen Angehörigen oder die Organisation der Pflege Corona-bedingt übernehmen, kein anderweitiger Anspruch auf Entgeltfortzahlung besteht und die häusliche Pflege anderweitig nicht sichergestellt werden kann. Diese Regelungen sind bis zum 31. Dezember 2020 befristet. Gesetzliche Grundlage ist § 150 Abs. 5d SGB XI.

Weiterführende Informationen zu den Regelungen sind unter auf der Seite des GKV-Spitzenverbandes nachzulesen: www.gkv-spitzenverband.de/gkv_spitzenverband/presse/fokus/fokus_corona.jsp

Hinweise zur Neuorganisation der Pflege finden sich auch auf der Internetseite der Verbraucherzentrale: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/gesundheit-pflege/pflege-zu-hause/corona-was-wenn-die-pflege-zu-hause-neu-organisiert-werden-muss-45753

Professionelle Beratung hilft bei der Organisation der Pflege zu Hause

Gerade in der aktuellen Situation ist es sinnvoll, sich professionell bei der Organisation der Pflege zu Hause beraten zu lassen. Pflegebedürftige Menschen haben einen Anspruch auf individuelle Pflegeberatung durch die Pflegekassen (§ 7a SGB XI). Zum Schutz vor Infektionen finden diese derzeit telefonisch statt.

Die Pflegeberaterinnen und Pflegeberater helfen bei der Suche, der Auswahl und Inanspruchnahme von Hilfe- und Pflegeleistungen, wie etwa Kurzzeit- und Tagespflege. Sie finden auch unter den aktuellen schwierigen Bedingungen gemeinsam mit dem Ratsuchenden bzw. der Ratsuchenden eine gute Lösung für die Organisation der Pflege zu Hause. Diese Pflegeberatung ist über die Pflegekasse zu erreichen.

Die Beratungsdatenbank des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) stellt außerdem die Kontaktdaten aller bundesweit verfügbaren und nicht-kommerziellen Beratungsangebote zur Verfügung, z.B. von Pflegestützpunkten und kommunalen Pflegeberatungsstellen: www.zqp.de.

Speziell für pflegende An- und Zugehörige von Menschen mit Demenz bietet die Alzheimergesellschaft Unterstützung durch telefonische Beratung an: https://www.deutsche-alzheimer.de/.

Das Einhalten von Hygiene- und Verhaltensregeln ist lebenswichtig

Die Hauptübertragungswege des Coronavirus in der Bevölkerung sind nach den derzeitigen Erkenntnissen vor allem die Tröpfcheninfektion sowie die Übertragung durch Aerosole, also über kleinste Teilchen, die schon beim Sprechen ausgeatmet werden und sich in der Umgebungsluft verbreiten. Eine Übertragung durch Tröpfchen erfolgt vor allem beim Husten und Niesen. Eine Übertragung durch Aerosole beim Atmen und Sprechen, noch stärker beim Schreien und Singen, und wird beim Gegenüber über die Schleimhäute der Nase und des Mundes aufgenommen. Darüber hinaus ist eine Kontaktübertragung (Schmierinfektion) des Coronavirus durch kontaminierte Oberflächen und Gegenstände nicht auszuschließen, besonders in der unmittelbaren Umgebung einer Person, die mit dem Coronavirus infiziert ist.

Für den Schutz pflegebedürftiger Menschen und die Gesundheit pflegender An- und Zugehöriger ist daher das Einhalten von Hygiene- und Verhaltensregeln lebenswichtig!

Schon bewusst in den Alltag integrierte, allgemeine Verhaltens- und Hygieneregeln helfen dabei, einer Infektion mit dem Coronavirus vorzubeugen. Die wichtigsten Regeln zur Vorbeugung einer Infektion mit dem Coronavirus sind:

  • das Abstandhalten von mindestens 1,5 Metern zu anderen Personen, die nicht im eigenen Haushalt leben, z.B. im Wartezimmer der Arztpraxis und im Supermarkt
  • das Vermeiden von Berührungen, z.B. Händeschütteln und Umarmungen, mit Personen, die nicht im eigenen Haushalt leben oder sogar Symptome zeigen
  • das Beschränken der Kontakte zu anderen Menschen auf das Notwendigste,
  • das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung (sog. Community- bzw. Alltagsmasken), z.B. in Bus und Bahn sowie im Einzelhandel
  • möglichst keine Anwendung von Plastikvisieren, da diese nicht zuverlässig schützen
  • das regelmäßige Lüften der Wohnung
  • das Planen von Anlässen, zu denen das Haus verlassen wird, z.B. der Anruf in der Arztpraxis vor einem Besuch und das Meiden von Stoßzeiten beim Einkaufen
  • das Vermeiden von öffentlichen Verkehrsmitteln, sofern dies möglich ist
  • die Sorge für eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung zur Stärkung der eigenen Abwehrkräfte
  • das Einhalten von Hygienemaßnahmen, vor allem:
  • das mindestens 20 Sekunden andauernde regelmäßige und gründliche Händewaschen mit Seife, z. B. wenn man von draußen nach Hause kommt
  • das Fernhalten der ungewaschenen Hände aus dem Gesicht
  • das Husten- und Niesen in ein Taschentuch oder die Armbeuge.

Um sich vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen, sollten pflegebedürftige Personen in Absprache mit ihren behandelnden Ärztinnen oder Ärzten und ihren An- und Zugehörigen weitere Maßnahmen in Betracht ziehen. Hierzu zählen:

  • das Verschieben von nicht zwingend erforderlichen Arztterminen auf einen späteren Zeitpunkt, sofern keine anderen akuten Gesundheitsprobleme, neu aufgetretene Beschwerden im Rahmen einer bestehenden Erkrankung oder Arzttermine vorliegen, die für die Behandlung der Erkrankung erforderlich sind,
  • die gemeinsame Überlegung, geplante stationäre Therapien oder Operationen zu verschieben, sofern eine Behandlung zum momentanen Zeitpunkt nicht zwingend erforderlich ist,
  • Grippeimpfungen und Impfungen gegen Pneumokokken für ältere Menschen sowie Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen, um das Risiko für zusätzliche Infektionskrankheiten zu reduzieren: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/Influenza/faq_ges.html und https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/Pneumokokken/FAQ-Liste_Pneumokokken_Impfen.html

Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass die Behandlung einer chronischen Erkrankung oder anderer gesundheitlicher Probleme vernachlässigt werden sollte. Notwendige und ärztlich empfohlene Untersuchungs- und Kontrolltermine, Behandlungen, Medikationen oder sonstige Gesundheitsleistungen sollten unbedingt weiterhin wahrgenommen werden. Therapien sollten nicht ohne Rücksprache mit der Ärztin bzw. dem Arzt verändert oder abgesetzt werden. Bei einem medizinischen Notfall – wie z.B. einem Herzinfarkt oder Schlaganfall – sollte die Notfallnummer 112 angerufen werden!

Diese Empfehlungen wurden durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) übersichtlich aufgearbeitet und stehen u. a. als Download unter folgenden Internetadressen zur Verfügung:

https://www.infektionsschutz.de/coronavirus/wie-verhalte-ich-mich/als-aelterer-oder-chronisch-kranker-mensch.html

https://www.infektionsschutz.de/fileadmin/infektionsschutz.de/Downloads/Merkblaetter/AEltere_Menschen/Merkblatt-Coronavirus-Hygienemassnahmen-60_.pdf

https://www.infektionsschutz.de/fileadmin/infektionsschutz.de/Downloads/Merkblatt-chronisch-kranke-Menschen-Coronavirus.pdf

Darüber hinaus ist es im Pflegealltag manchmal nicht möglich, auf die Abstandsregeln zu achten, vor allem dann nicht, wenn körperbezogene Pflegemaßnahmen notwendig sind oder es zwischenmenschlicher Nähe bedarf. Daher empfehlen wir pflegenden An- und Zugehörigen, die nicht in einem gemeinsamen Haushalt mit dem pflegebedürftigen Menschen leben, gerade bei engem Kontakt eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen und bewusst auf die Hygieneregeln zu achten. Pflegebedürftige Personen und pflegende An- und Zugehörige sollten auch darauf achten, dass die Mitarbeitenden von Pflegediensten oder andere Betreuungspersonen die Hygieneregeln einhalten und einen Mund-Nasen-Schutz (sog. OP-Masken bzw. Medizinischer Mundschutz) tragen.

Wichtig ist darüber hinaus, sich als pflegender An- bzw. Zugehöriger aktiv über das Krankheitsbild „COVID-19“ zu informieren, um frühzeitig selbst Symptome erkennen zu können. Zudem sollten erkrankte Personen rasch telefonischen Kontakt zur Hausarztpraxis oder zu anderen beratenden Stellen aufnehmen, um sich zu individuellen Maßnahmen und einer Abklärung im Hinblick auf eine COVID-19-Infektion beraten zu lassen. Dies sollte ebenfalls geschehen, wenn in der näheren Umgebung (z. B. im beruflichen Umfeld) Fälle von COVID-19 bekannt werden.

Tipps für den Alltag zu Hause

Aufgrund der Regeln und Empfehlungen für einen wirksamen Infektionsschutz wird es bei Pflegebedürftigkeit unter Umständen schwieriger, die tägliche Versorgung zu bewältigen. Folgende Alternativen können Abhilfe schaffen:

  • Bitten Sie Ihren Hausarzt, Rezepte direkt an eine Apotheke zu schicken und lassen Sie sich von dieser Apotheke die Medikamente liefern.
  • Klären Sie telefonisch mit Ihrem Hausarzt/Ihrer Hausärztin, wie Sie sich bei erforderlichen Arztkontakten verhalten sollen und ob es Alternativen zum Praxisbesuch gibt.
  • Viele Einzelhändler und Supermärkte etc. bieten aktuell spezielle Lieferdienste an. Nutzen Sie diese. Bitten Sie Freunde oder Nachbarn, für Sie einzukaufen oder kleine Botengänge zu erledigen und machen Sie Gebrauch von nachbarschaftlichen Hilfsangeboten wie z. B. www.nebenan.de
  • Scheuen Sie sich generell nicht, Ihr soziales Netz (Familie, Freunde, Bekannte, Nachbarn) um Entlastung und Unterstützung zu bitten.

Unter den aktuellen Bedingungen ist gerade die Betreuung und Begleitung von Menschen mit Demenz und das gemeinsame Zusammenleben keine leichte Aufgabe, weil z. B. professionelle Betreuungsangebote nicht in Anspruch genommen werden können. Hinweise zum Umgang mit Menschen mit Demenz, die auch in der jetzigen Situation hilfreich sein können, finden pflegende An- und Zugehörige in der Grundsatzstellungnahme Demenz des MDS „Menschen mit Demenz – Pflege, Betreuung und Therapie“ (https://www.mds-ev.de/richtlinien-publikationen/bestellbare-broschueren.html).

Ein zentrales Bedürfnis von Menschen mit Demenz – wie für alle anderen Menschen auch – ist es z. B., sich beschäftigt zu fühlen. Es gibt ganz einfache Möglichkeiten, wie man kleine „Beschäftigungseinheiten“ in den Alltag integrieren kann. Man kann z. B. seinem pflegebedürftigen Angehörigen Geschichten oder Märchen vorlesen. In der Praxis hat sich gezeigt, dass so etwas beruhigend und entspannend auf Menschen mit Demenz wirkt und sogar psychische Verhaltenssymptome, wie etwa Ängste, auf diese Weise abgemildert werden können.

Auch kleinere Aktivitäten helfen bei der Alltagsbewältigung – z. B. das gemeinsame Durchblättern von Fotoalben und dabei in Erinnerungen zu schwelgen, das Lösen von Kreuzworträtseln, das Bepflanzen eines Garten- bzw. Balkonbeets oder die Lieblingsmusik aufzulegen. Gerade körperliche Aktivität ist hilfreich: Diese wirkt sich nicht nur positiv auf die Mobilität und Selbständigkeit aus, sondern auch auf die psychische Gesundheit. Auf http://www.altenpflege-online.net/Infopool/Videos/Serie-Mobilitaetsfoerderung-Teil-5-Armkraft-trainieren-vom-Stuhl-hochdruecken werden einfach im Alltag umzusetzende Mobilitätsübungen für den Pflegealltag zur Verfügung gestellt. Auch unter https://www.aelter-werden-in-balance.de/online-bewegungsangebote/uebungsvideos/arme-und-schultern/ finden sich sehr gute Anregungen, wie sich im Alltag kleine Übungen einbauen lassen, mit denen Beweglichkeit und Ausdauer erhalten und verbessert werden können.

In dem Podcast „Zusammenhalten in dieser Zeit“ werden speziell für ältere Menschen Informationen, ermutigende Beispiele und Tipps vermittelt, die gut durch diese Zeit führen: https://www.bagso.de/corona-pandemie/zusammenhalten-in-dieser-zeit-ein-podcast-der-bagso/

Wichtig für die psychische Gesundheit im Alltag ist es im Übrigen, auch einmal Pause von Nachrichten und negativen Gedanken zu machen. Gleichwohl sollte man sich regelmäßig und bewusst, z. B. in einer vorher festgelegten Zeitspanne informieren. Kritisch sein lautet dabei die Devise: Zurzeit kursieren viele Falschinformationen. Vertrauenswürdige Quellen sind die Webseite des Robert Koch-Instituts (www.rki.de), des Bundesgesundheitsministeriums für Gesundheit (https://www.bundesgesundheitsministerium.de/), der Landesministerien oder der Gesundheitsämter.

Tipps und Hinweise gegen Einsamkeit und Isolation

Neben konsequenter Einhaltung von Hygieneregeln sind Einschränkungen persönlicher sozialer Kontakte immer noch der einzig wirksame Schutz von Gesundheit und Leben älterer und pflegebedürftiger Menschen – obwohl gerade das Zusammensein und der Austausch mit Familie, Freunden und Bekannten hilfreich sein würde, um mit der belastenden und bedrohlichen Lebenssituation umzugehen.

Um Einsamkeit entgegenzuwirken, hat die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) auf ihrer Internetseite ein Themenheft „Gemeinsam statt einsam - Initiativen und Projekte gegen soziale Isolation im Alter“ bereitgestellt. Hier finden sich viele Anregungen, die weiterhelfen können, mit der aktuelle Situation so gut es geht, umzugehen: https://www.bagso.de/publikationen/themenheft/gemeinsam-statt-einsam/.

Haben Sie keine Scheu davor, digitale Technologien wie Videochats oder Smartphones, Tablets oder Laptops zu nutzen. Hierzu bietet die Internetseite „Digital-Kompass - Treffpunkt für alle Fragen rund ums Internet und Co.“ Unterstützung an. Beispielsweise werden Tutorials für Smartphone und Tablet-Einsteiger sowie eine Anleitung und schrittweise Einführung in die Videotelefonie angeboten: https://www.digital-kompass.de/.

Da Kirchen-bzw. Messebesuche teilweise noch nicht oder nur unter Einhaltung strenger Hygieneregeln möglich sind und größere Versammlungen von Menschen weitestgehend vermieden werden sollten, besteht die Möglichkeit online durch Videoansicht an einem „Live Gottesdienst“, ggf. in der örtlichen Gemeinde, teilzunehmen. Auf der konfessionsübergreifenden Plattform Bibel TV ist eine Auswahl an Video-Gottesdiensten aufgeführt: www.bibeltv.de/live-gottesdienste/.

Pflegenden An- und Zugehörigen empfehlen wir die App „in.kontakt“ – eine gute und einfach zu nutzende Möglichkeit, sich wohnortnah mit anderen zu vernetzen und auszutauschen. Die App kann hier heruntergeladen werden: https://in-kontakt.online/#/.

Lassen Sie bedrückende Gefühle bei Einsamkeit zu, aber nicht tagesbestimmend werden. Schaffen Sie sich stattdessen eine Tagesstruktur (z. B. Mahlzeiten zu bestimmten Zeiten) mit Ritualpflege (jeden Montagabend lese ich ein Gedicht, lasse ich mir eine Geschichte vorlesen …) und setzen Sie sich realistische Ziele (heute ist der Tag, an dem ich meinem Enkel, meiner Freundin einen Brief schreibe). Dadurch können Sie sich selbst Halt geben und so gut es geht eine positive Grundhaltung bewahren.

Unterstützung bei psychischen Belastungen

Viele ältere und pflegebedürftige Menschen leiden unter psychischen Beeinträchtigungen, wie z. B. Depressionen, Angststörungen oder Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis. Menschen mit chronischen psychischen Gesundheitsproblemen sind besonders verletzlich für Umwelteinflüsse und Situationen, die nicht kontrollierbar sind. Vor allem Angst vor dem Coronavirus und den damit verbundenen Folgen und Einschränkungen und die empfundene Hilflosigkeit können dazu führen, dass sich die Krankheitssymptome verstärken. Bei pflegebedürftigen Menschen mit Demenz können psychische Verhaltenssymptome wie Verwirrtheit und Aggressivität auftreten oder sich verstärken, was wiederum die Belastungen für pflegende An- und Zugehörige verschärft. Im schlimmsten Fall kann das zu einer krisenhaften Zuspitzung der Gesamtsituation führen.

Wenn Sie feststellen, dass Ihre Sorgen zum Thema Corona so stark werden, dass Sie nahezu pausenlos darüber nachgrübeln und Ihre Gedanken nur noch um dieses Thema kreisen, sollten Sie Hilfe in Anspruch nehmen. Das gilt auch für den Fall, dass Ihre Ängste immer stärker werden, so dass Sie das Gefühl haben, der Situation hilflos ausgeliefert zu sein und aus eigener Kraft keinen Ausweg mehr zu finden. Überforderungssituationen bei pflegenden An- und Zugehörigen können sich z. B. daran zeigen, dass man immer ungeduldiger im Umgang mit dem pflegebedürftigen Menschen wird und bereits kleine „Missgeschicke“ zu Konflikten führen.

Oftmals hilft es dann, einfach nur mit jemanden über die aktuellen Probleme und Nöte sprechen zu können. Schnelle Hilfe in solchen Fällen bietet unter anderem die Telefonseelsorge an, und zwar rund um die Uhr und kostenlos unter der Telefonnummer: 0800-1110111 oder per Chat via www.telefonseelsorge.de.

Für die kommenden Wochen bietet außerdem der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen täglich von 8 bis 20 Uhr eine kostenlose und anonyme Hotline zur psychologischen Beratung in der Krise an: 0800 777 22 44.

Auf der Plattform www.pflegen-und-leben.de finden gesetzlich Versicherte sowie pflegende An- und Zugehörige psychologische Fachberatung, insbesondere bei seelischen Belastungen. Auf der Internetseite gibt es außerdem viele hilfreiche Tipps, wie pflegende An- und Zugehörige auch im Pflegealltag für sich und die eigene Gesundheit sorgen können.

Es wurden außerdem die Möglichkeiten zur ärztlichen und psychotherapeutischen Konsultation per Telefon ausgeweitet. Psychotherapeuten bzw. -therapeutinnen und Ärztinnen/Ärzte können ihre Patientinnen und Patienten jetzt häufiger und länger auch telefonisch betreuen. In den psychiatrischen Institutsambulanzen können Videosprechstunden genutzt werden. Hierzu sollte man sich an den behandelnden Arzt (Psychiater) wenden.

Online gibt es auf der Homepage von Psychiatrienetz weitere hilfreiche Informationen und Unterstützung. Diese wird von der Deutschen Gesellschaft für soziale Psychiatrie, dem Dachverband Gemeindepsychiatrie, dem Bundesverband der Angehörigen von psychisch Kranken und dem Psychiatrie-Verlag betrieben: https://www.psychiatrie.de/coronapsychische-gesundheit.html