Weniger Bürokratie durch mehr Effizienz

Anfang 2015 hat der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann, ein Projektbüro eingerichtet, das ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen bei dem Umstieg auf die schlanke Pflegedokumentation unterstützen soll. Das Projekt wird durch ein Lenkungsgremium begleitet, dem auch der MDS angehört. Ziel war es, bis Ende 2015 mindestens 25 Prozent der stationären Pflegeeinrichtungen und ambulanten Pflegedienste für einen Umstieg auf die schlanke Pflegedokumentation zu gewinnen. Dieses Ziel ist längst erreicht: Bis Mai 2017 haben sich etwa 5.150 ambulante Pflegedienste und etwa 6.050 stationäre Einrichtungen beim Projektbüro registriert und damit ihren Willen bekundet, die schlanke Pflegedokumentation umzusetzen. Die Gesamtregistrierungsquote der 24.700 Dienste und Heime beträgt damit 45,3%. Inzwischen gibt es auch Lösungen für die teilstationäre Pflege und die Kurzzeitpflege, so dass auch diese Einrichtungen die schlanke Pflegedokumentation umsetzen können.

Um den Erfolg des Projektes zu unterstützen, hat der MDS in Seminaren 120 Multiplikatoren der MDK, des PKV-Prüfdienstes und der Heimaufsichtsbehörden der Bundesländer geschult. Die Multiplikatoren schulen alle Prüfer der MDK, so dass diese auf Qualitätsprüfungen in Pflegeinrichtungen mit der vereinfachten Pflegedokumentation gut vorbereitet sind.

Die Pflegedokumentation ist eine wichtige Grundlage für eine bedarfsgerechte und sichere Pflege. In den vergangenen Jahren habe viele Pflegeeinrichtungen ihre Pflegedokumentation ausgeweitet. Nicht zuletzt aus dem Motiv heraus, bei den Pflege-Qualitätsprüfungen „auf der sicheren Seite“ zu stehen. Doch der dabei entstandene Umfang der Dokumentation ging zum Teil weit über das erforderliche Maß hinaus. Dies zeigte sich auch bei den Qualitätsprüfungen. In der Folge haben immer mehr Pflegekräfte eine Entbürokratisierung der Pflege und mehr Zeit für die direkte Pflege gefordert. Die Prüfer des MDK und des PKV-Prüfdienstes haben die Pflegeeinrichtungen in den letzten Jahren dahingehend beraten, die Pflegedokumentation auf das fachlich begründbare und gebotene Maß zu beschränken und z.B. auf Doppeldokumentationen zu verzichten.

Vor diesem Hintergrund haben Pflegeexperten – darunter auch Vertreter des MDS – im sogenannten Beikirch-Projekt ein Konzept für eine effiziente und schlanke Dokumentation in Pflegeheimen und ambulanten Diensten entwickelt: das „Strukturmodell zur Effizienzsteigerung in der Pflege“. Nach diesem Modell kann die Struktur der Pflegedokumentation verschlankt werden.

Nach dem Strukturmodell müssen Pflegeeinrichtungen Leistungen nur dann dokumentieren, wenn sie von der individuellen grundpflegerischen Regelversorgung und Betreuung abweichen. Wie diese im Einzelfall aussehen muss, wird über eine Strukturierte Informationssammlung (SIS) erhoben und in einem pflegerischen Tagesablauf festgehalten. Die SIS ist die zentrale Basis der schlanken Pflegedokumentation. In der SIS werden die Informationen über den Pflegebedürftigen nach Themenfeldern strukturiert, die sich an diejenigen im neuen Begutachtungsassessment (NBA) anlehnen. Das NBA wird ab 2017 zur Feststellung von Pflegebedürftigkeit angewendet. Dadurch ist die SIS viel übersichtlicher als die bisherige Gliederung nach Aktivitäten des täglichen Leben (ATL). Die SIS enthält zudem eine übersichtliche Matrix, in der Pflegerisiken wie Sturz, Dekubitus oder Gewichtsverlust und Phänomene wie z.B. Schmerzen eingeschätzt werden.

Maßnahmen der Behandlungspflege und des Risikomanagements müssen weiterhin dokumentiert werden.

Dokumente zum Thema

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  • Schlanke Pflegedokumentation
    "Ergänzende Erläuterungen" zu Qualitätsprüfungen in Pflegeeinrichtungen, die das Strukturmodell umsetzen - Version 3.1

    Die "Ergänzenden Erläuterungen" richten sich an Prüfer der MDK und des PKV- Prüfdienstes, die Qualitätsprüfungen nach §§ 114 ff. SGB XI durchführen. Sie wurden mit dem Projektbüro Ein-STEP abgestimmt. Nach Durchführung der Multiplikatoren-Seminare wurde mit dem Projektbüro ein Klärungsprozess zu zentralen Fragen der "Ergänzenden Erläuterungen" weitergeführt. Aufgrund aktueller Rückmeldungen im Rahmen der Implementierung wurde die vorliegende Version 3.1 mit Stand 14.06.2016 erstellt.

  • MDK Forum
    "Die Pflegedokumentation wird wieder gelesen" - Interview mit Elisabeth Beikirch

    Interview zur Effizienzsteigerung der Pflegedokumentation im MDK Forum Ausgabe 1/2014. Elisabeth Beikirch war bis Februar 2014 Ombudsfrau zur Entbürokratisierung der Pflege im BMG und dort zuständig für die Steuerung des Projekts "Praktische Anwendung des Strukturmodells – Effizienzsteigerung der Pflegedokumentation".