Qualitätsprüfungen von Pflegeeinrichtungen

Das neue Qualitätssystem in der vollstationären Pflege

Am 1. Oktober 2019 startet sukzessive ein neues Qualitäts- und Prüfsystem für die vollstationäre Pflege. Es umfasst drei Bereiche:

  • die Erhebung von Indikatorendaten durch die Pflegeeinrichtungen
  • die Qualitätsprüfung durch den MDK bzw. den Prüfdienst der privaten Krankenversicherung (PKV-Prüfdienst)
  • die Qualitätsdarstellung, also die Veröffentlichung von Indikatorenergebnissen, ausgewählten MDK-Prüfergebnissen und Angaben der Pflegeeinrichtungen zu ihrer Struktur für die Verbraucherinnen und Verbraucher

Das ändert sich für Pflegeheime, MDK und Verbraucher

Film: Gemeinsam für gute Qualität - Die neue MDK-Qualitätsprüfung in der vollstationären Pflege

Die Pflegeeinrichtungen erheben ab Oktober halbjährlich intern Qualitätsdaten zur Versorgung ihrer Bewohnerinnen und Bewohner – sogenannte Qualitätsindikatoren – und übermitteln diese an eine Datenauswertungsstelle (DAS). Erfasst wird dann zum Beispiel wie mobil und selbstständig die Pflegebedürftigen sind, wie viele von ihnen wie oft an Dekubitus oder den Folgen von Stürzen leiden und ob ein unbeabsichtigter Gewichtsverlust eingetreten ist. Ab November 2019 beginnen die neuen externen Qualitätsprüfungen von MDK und PKV-Prüfdienst auf der Basis der Qualitätsprüfungsrichtlinien für die vollstationäre Pflege (QPR vollstationär). Diese Richtlinien hat der MDS gemeinsam mit den MDK und den Pflegekassen erarbeitet. Sie wurden im Dezember 2018 vom GKV-Spitzenverband beschlossen und treten am 1. November 2019 in Kraft. Die Medizinischen Dienste haben ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die Prüfaufgaben vorbereitet und für das neue System geschult.

Pflegefachliche Beratung des MDK gewinnt an Bedeutung

Der neue Prüfansatz berücksichtigt das neue Verständnis der Pflegebedürftigkeit und hat die umfassende, individuelle Versorgungssituation des Pflegebedürftigen im Blick. Mobilität und Selbstversorgung, krankheits- und therapiebedingte Anforderungen, aber auch die Gestaltung des Alltagslebens und der sozialen Kontakte werden in die Qualitätsprüfung einbezogen. Die Qualitätsprüfung durch den MDK basiert auf der Inaugenscheinnahme von neun stichprobenhaft ausgewählten Bewohnerinnen und Bewohnern sowie einem persönlichen Gespräch mit ihnen, um die Versorgungsqualität zu untersuchen. Darüber hinaus prüft der MDK bei sechs Personen aus der Stichprobe die Plausibilität der Indikatorendaten, die die Pflegeeinrichtung selbst ermittelt und an die Datenauswertungsstelle übermittelt hat. Ein weiterer wichtiger Baustein ist das Fachgespräch mit den Pflegekräften vor Ort über die Prüfergebnisse der Personenstichprobe. Insgesamt gewinnt die pflegefachliche Beratung des MDK an Bedeutung. Die Pflegedokumentation spielt in Zukunft eine nachgeordnete Rolle.

In der Zeit vom 1. November 2019 bis zum 31. Dezember 2020 werden alle Pflegeheime einmal geprüft, danach im Abstand von einem Jahr. Heime mit guten Indikatoren- und guten Prüfergebnissen werden ab 2021 nur noch alle zwei Jahre vom MDK geprüft. Regelprüfungen sind bei der Einrichtung in Zukunft einen Tag vorher anzukündigen. Anlassprüfungen, die die Landesverbände der Pflegekassen nach Hinweisen auf Mängel beim MDK beauftragen können, erfolgen wie bisher unangemeldet.

Hintergründe zum neuen Qualitäts- und Prüfsystem

In den vergangenen Jahren war die Darstellung der Pflegequalität in Pflegenoten erheblich in die Kritik geraten, weil Qualitätsmängel der Einrichtungen für Verbraucherinnen und Verbraucher nicht klar erkennbar sind. Deshalb hat der Gesetzgeber 2016 mit dem Pflegestärkungsgesetz II die gesamte Qualitätssicherung im Rahmen der Pflegeversicherung neu geordnet und den Qualitätsausschuss Pflege eingerichtet. Dieser setzt sich zusammen aus Vertreterinnen und Vertretern der Leistungserbringer und der Pflegekassen.

Im Auftrag des Pflegequalitätsausschusses haben das Institut für Pflegewissenschaft an der Uni Bielefeld (Dr. Klaus Wingenfeld) und das Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen (aQua-Institut) in Göttingen konkrete Konzepte für eine neue Qualitätsprüfung und -darstellung erarbeitet. Der Qualitätsausschuss Pflege hat den Abschlussbericht der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit den konkreten Umsetzungsvorschlägen für die stationäre Pflege im September 2018 abgenommen. Im November 2018 wurde mit dem Pflegepersonal-Stärkungsgesetz (PpSG) beschlossen, dass die neue Qualitätsprüfung und -darstellung bis Ende 2019 umzusetzen ist.

Die Weiterentwicklung für die ambulante Pflege

Für die ambulante Pflege haben die Hochschule Osnabrück (Prof. Dr. Andreas Büscher) sowie das Institut für Pflegewissenschaft an der Uni Bielefeld (Dr. Klaus Wingenfeld) ebenfalls Vorschläge für eine analoge Anpassung der MDK-Prüfung erarbeitet.

Der Qualitätsausschuss Pflege hat den Abschlussbericht mit Umsetzungsvorschlägen für die ambulante Pflege ebenfalls abgenommen. Bevor die Ergebnisse umgesetzt werden können, ist noch eine Pilotierung des neuen Prüfkonzeptes erforderlich. Die Pilotierung hat der Qualitätsausschuss Pflege an das IGES-Institut vergeben. Voraussichtlich wird das Projekt im April 2020 abgeschlossen. In Abhängigkeit von den Pilotierungsergebnissen entscheidet der Qualitätsausschuss Pflege dann, ob und in welchem Umfang das Prüfinstrument angepasst werden muss und ob sich eine weitere Pilotierungsphase anschließen wird. Nach Abschluss der Pilotierung werden die Qualitätsvereinbarungen, die Qualitätsprüfungs-Richtlinien und die Qualitätsdarstellungs-Vereinbarung erarbeitet.

Informationen zur Qualitätsprüfung ab 2019

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  • Info-Papier
    Fragen und Antworten zur neuen Qualitätsprüfung für Pflegeheime ab 2019
  • Qualitätsprüfungs-Richtlinien QPR
    Gültig ab 1. November 2019: Qualitätsprüfungs-Richtlinien für die vollstationäre Pflege (QPR vollstationär)

    Die Bestellmenge der Broschüre ist auf 3 Stück pro Kunde beschränkt.

  • Fachinformation
    Die neuen Qualitätsprüfungen in der vollstationären Pflege

    Die Bestellmenge der Broschüre ist auf 10 Stück pro Kunde beschränkt. Die PDF-Fassung zum Download ist barrierearm.

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