Feststellung des Rehabedarfs in der Pflegebegutachtung

Rund 3,5 Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig, mit einem weiteren Anstieg muss in Zukunft gerechnet werden.

Auf vielen Ebenen werden deshalb Strategien entwickelt, um die damit verbundenen Herausforderungen erfolgreich zu meistern. In diesem Zusammenhang kommen Leistungen zur medizinischen Rehabilitation eine besondere Bedeutung zu, da diese helfen können Pflegebedürftigkeit zu vermeiden oder hinauszuzögern. Der Grundsatz „Rehabilitation vor und bei Pflege“ ist seit Jahren in den Sozialgesetzbüchern verankert.

Ausgelöst wird eine Rehabilitation in der Regel im Zusammenhang mit einem Krankenhausaufenthalt (Anschlussrehabilitation) oder durch die Verordnung eines ambulanten Vertragsarztes. Ein dritter Zugang in die Rehabilitation kann sich aus der Pflegebegutachtung des MDK ergeben. So müssen die Gutachter der MDK bei jeder Pflegebegutachtung prüfen, ob und in welchem Umfang Leistungen zur medizinischen Rehabilitation geeignet, notwendig und zumutbar sind, um Pflegebedürftigkeit zu verhüten oder zu vermindern. Empfiehlt der MDK eine medizinische Rehabilitation gilt diese Empfehlung seit 2008 als Antrag nach § 14 SGB IX (bei Einwilligung des Versicherten).

Der MDS fördert und unterstützt die Umsetzung dieser Aufgabe. So koordinierte der MDS 2013/2014 das breit angelegte wissenschaftliche Evaluationsprojekt „Reha XI – Erkennung rehabilitativer Bedarfe in der Pflegebegutachtung der MDK“. 

Die Ergebnisse des Projektes „Reha XI“ sind in einen optimierten Begutachtungsstandard (OBS) eingegangen, der seit 2015 flächendeckend angewendet wird und mit in Kraft treten des Pflegestärkungsgesetzes II am 1. Januar 2016 im SGB XI (§ 18Abs. 6) verankert wurde.

Die Anwendung des OBS hat zu deutlichen Qualitätsverbesserungen im Begutachtungsablauf und zu einem kontinuierlichen Anstieg der Rehabilitations-empfehlungen geführt.

Weitere Verbesserungen in der Rehabedarfserkennung hat auch die Umsetzung des erweiterten Pflegebedürftigkeitsbegriffs und des entsprechenden Begutachtungs-instruments gebracht: Das seit 2017 gültige Begutachtungsinstrument (BI) liefert durch seinen ressourcenorientierten Ansatz besser als bislang die notwendigen Informationen zur Einschätzung der Gesamtsituation einer antragstellenden Person, um in der Pflegebegutachtung eine sichere Bewertung der vorgegebenen Indikationskriterien vornehmen zu können. Das zeigen die aktuellen Zahlen der Begutachtungsstatistik und Pflegeberichterstattung des MDS. So ist beispielsweise die Zuweisungsempfehlung zur medizinischen Rehabilitation über alle Pflegebegutachtungen bei Antrag auf ambulante Leistungen der Pflegeversicherung von 2,4 Prozent im Jahr 2015 (Einführung des OBS) auf 4,1 Prozent im Jahr 2018 angestiegen.

Dokumente zum Thema

Artikelbild
0,00 €
  • Gutachten / Nutzenbewertung
    Wirksamkeit und Nutzen von rehabilitativen Maßnahmen bei Pflegebedürftigen

    Seit dem Pflege-Weiterentwicklungsgesetz spielen im Rahmen der Pflegebegutachtung (SGB XI) die Empfehlungen des Medizinischen Dienstes zu Maßnahmen der Rehabilitation eine besondere Rolle und sind von den Pflegekassen - bei Einverständnis des Versicherten - umzusetzen. Der MDS beauftragte in diesem Kontext das Kompetenz-Centrum Geriatrie (KCG) mit einer wissenschaftlichen Stellungnahme zur Analyse vorliegender Evidenz zu Wirksamkeit und Nutzen von rehabilitativen Maßnahmen bei Pflegebedürftigen.

  • Veranstaltungsdokumentation
    MDS-Expertengespräch: Reha vor und bei Pflege am 8. Oktober 2014
  • MDK Forum
    "Nach dem Projekt ist vor dem Projekt": MDK leistet Beitrag zur Reha vor Pflege

    Artikel von Dr. Martina Koesterke, MDS, im MDK Forum 3-4/2014