Außerklinische Geburtshilfe

Werdende Mütter, die gesetzlich krankenversichert sind, haben Anspruch auf eine Entbindung im Krankenhaus oder einer anderen ärztlich geleiteten Einrichtung (z. B. Arztpraxis) sowie in einer von Hebammen geleiteten Einrichtung (z. B. Geburtshaus oder Hebammenpraxis). Frauen mit keinem bzw. niedrigem medizinischen Risiko können sich auch für eine Hausgeburt entscheiden.

Regelhafter oder regelwidriger Verlauf?

Soll die Geburt außerhalb einer Klinik oder ärztlich geleiteten Einrichtung stattfinden, werden freiberufliche Hebammen tätig. Sie begleiten die Schwangere – meist gemeinsam mit einer Frauenärztin oder einem Frauenarzt – mit Vorsorgeuntersuchungen durch die Schwangerschaft, betreuen sie während der Geburt und versorgen sie anschließend im Wochenbett. Sowohl nach deutschem als auch nach europäischem Recht dürfen Hebammen all dies selbstständig durchführen, solange Schwangerschaft und Geburt regelhaft (physiologisch) verlaufen. Bei Anzeichen von regelwidrigen (pathologischen) Verläufen bei Mutter oder Kind, die ärztliches Eingreifen erforderlich machen, ist die Hebamme verpflichtet, die Frau oder das Neugeborene fachgerecht in die ärztliche Weiterbehandlung zu übergeben.

Welche Fälle sind das, die ein ärztliches Eingreifen erforderlich machen? Wann ist ein Verlauf regelhaft, wann regelwidrig? Was passiert bei Grenzfällen? Um eine sichere Versorgung für Mutter und Kind zu gewährleisten, müssen diejenigen Verläufe definiert werden, die als regelwidrig im Sinne eines „higher than low risk“ gelten. Dabei müssen auch die Handlungsverantwortlichkeiten zwischen Hebammen und ärztlichen Geburtshelfern geklärt werden.

Neue Kriterien für Hausgeburten

Der GKV-Spitzenverband und die Hebammenverbände haben die Verantwortlichkeiten bei regelwidrigen Verläufen von Geburten im häuslichen Umfeld (Hausgeburten) aktualisiert; diese sind ab 01.04.2020 in Kraft getreten. Im Vorfeld hatte eine Arbeitsgruppe, in der die drei maßgeblichen Hebammenverbände (Bund Deutscher Hebammen, Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands und Netzwerk der Geburtshäuser) und der GKV-Spitzenverband vertreten waren, die bisher geltenden sogenannten Ausschlusskriterien aus dem Jahr 2008 auf den Prüfstand gestellt und auf Basis internationaler Erkenntnisse und Leitlinien weiterentwickelt. Fachlich beraten wurden die Hebammenverbände von Prof. Dr. Rainhild Schäfers von der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft; der GKV-Spitzenverband von Dr. Susanne Bauer, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe und Seniorberaterin beim MDS.

Aufgabe des MDS war es zu recherchieren, wie die Verantwortlichkeiten zwischen Hebammen und ärztlichen Geburtshelfern bei Befunden vor, während und nach der Geburt in anderen Ländern geregelt sind. Die Ergebnisse hat der MDS in einer tabellarischen Übersicht zusammengestellt. Berücksichtigt wurden Regelungen (Kataloge) aus Ländern, die ein mit Deutschland vergleichbares Versorgungsniveau haben und ebenso außerklinische Geburtshilfe im Rahmen ihres sozialen Sicherungssystems anbieten. Regularien aus folgenden Länder sind eingeflossen: Österreich, die Niederlande, England, Irland, Norwegen, Island, Kanada, die USA, Australien und Neuseeland. Regelungen aus weiteren Ländern, wie zum Beispiel Frankreich, Italien, Spanien und Schweden konnten nicht berücksichtigt werden, da sich die geburtshilfliche Versorgung dort zu stark von der in Deutschland unterscheidet.

Tabelle mit umfassendem Ländervergleich

Die Tabelle gibt einen länderbezogenen Überblick über die Aufteilung der Verantwortlichkeiten zwischen Hebammen und ärztlichen Geburtshelfern bei insgesamt 243 geburtshilflich relevanten Befunden. Diese sind in vier aufeinander folgende Kapitel eingeteilt, die sich auf die Zeitpunkte „vor der Schwangerschaft“, „während der Schwangerschaft“, „bei der Geburt“ und „nach der Geburt“ beziehen. Für Deutschland enthält die Tabelle eine Spalte mit den jetzt neu vereinbarten Regelungen für Hausgeburten sowie eine Spalte mit den Verantwortlichkeiten bei Geburten im Krankenhaus, bei denen die Hebamme den Kreißsaal „in Eigenregie“ führt. Die Kriterien für letztere wurden 2007 in einem Pilotprojekt an der Fachhochschule Osnabrück entwickelt und im „Handbuch Hebammenkreißsaal“ dokumentiert.

Dokumente zum Thema

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  • Erläuternde Hinweise zur „Synopse zum Umgang mit Befunden vor, während und nach der Geburt aus Katalogen verschiedener Länder“
  • Synopse zum Umgang mit Befunden vor, während und nach der Geburt aus Katalogen verschiedener Länder (deutsche Fassung, 73 Seiten, DIN A3)
  • Abkürzungsverzeichnis/list of abbreviations
  • Explanatory remarks for the table „Overview of how to cope with risks from identified catalogues“
  • Table „Overview of how to cope with risks from identified catalogues“ (english, 76 pages, DIN A3)